Was tun, wenn das Ohr verstopft ist? Wertvolle Tipps gegen Druck auf den Ohren und Knacken im Ohr

Nov 4, 2019

Wer fliegt kennt das Gefühl: man spürt ein Knacken im Ohr, der Druck auf den Ohren, vor allem bei Start und Landung wird manchmal unerträglich. Im Flugzeug fangen Kinder regelmäßig zum Zeitpunkt von Start und Landung zu weinen an, weil der Druck im Ohr einfach zu viel wird.

Allerdings sind natürlich nicht alle Menschen gleich empfindlich – aber spüren tun wir es praktisch alle.

Besonders sensible Menschen spüren oft noch Stunden nach der Landung ein unangenehmes Gefühl und manchmal sogar eine leichte Taubheit. Man scheint dann die Welt wir durch eine Schicht Watte wahrzunehmen und fragt sich besorgt, ob das gehör wiederkommt und der Druck im Ohr verschwindet.

Hier schon mal vorab zur Beruhigung: Das Phänomen ist ganz natürlich und in aller Regel völlig harmlos. Die Beschwerden verschwinden typischerweise nach einer Weile ganz von selbst. Aber unangenehm ist das Ganze schon. Deshalb ist es natürlich am besten, wenn es erst gar nicht zu dem unangenehmen Druckgefühl kommt.

In diesem Beitrag möchten wir unseren Lesern das Phänomen vom Druck auf den Ohren näher erklären und zudem wertvolle Tipps geben, wie man damit am besten umgehen kann, bzw. den Druck auf den Ohren beim Fliegen ganz vermeiden kann.

So entsteht der Druck auf den Ohren beim Fliegen

Wer von dem leichten Druck auf den Ohren oder einem unangenehmen Knacken im Ohr betroffen ist, muss sich zunächst einmal keine ernsthaften Sorgen über die Gesundheit machen, denn die Reaktion des Körpers ist völlig normal.

Es handelt sich nämlich um eine natürliche Reaktion auf den veränderten Luftdruck. Dieser folgt schlicht und einfach physikalischen Gesetzen. Denn das Flugzeug muss sofort nach dem Abheben von der Startbahn so schnell wie möglich an Höhe gewinnen.

Insbesondere wenn man sich beim Abflug auf der Höhe des Meeresspiegels befindet – etwa bei einem Abflug von einem Flughafen in Strandnähe oder auf einer Insel wie Dominikanische Republik oder Mallorca – dann ist der Höhenunterschied, der in kürzester Zeit zurückgelegt wird, enorm.

Bereits auf einer Höhe von 5.500 Metern liegt der Druck der Außenluft im Vergleich zur Höhe des Meeresspiegels bei gerade mal der Hälfte. Um diesen deutlichen Unterschied aushalten zu können, wird der Druck der Kabinenluft zwar künstlich erhöht, aber durch den unglaublich schnellen Anstieg reicht dies nicht hundert Prozent aus, um leichte Beschwerden komplett zu vermeiden.

Auf der anderen Seite befindet sich das Flugzeug kurz vor der Landung auf einem ebenso deutlich spürbaren Sinkflug. Dies hat zur Folge, dass der Druck ganz plötzlich wieder rapide ansteigt.

Auch hierauf reagieren die Ohren vieler Menschen empfindlich, was zur Folge hat, dass ein unangenehmer Ohrendruck beim und nach dem Flug spürbar ist.

Was geht im Ohr bei rapider Druckdifferenz vor?

So weit so gut, aber was genau geht im Ohr vor sich, wenn sich der Luftdruck verändert? Um die Zusammenhänge zu verstehen, muss man sich zunächst die Anatomie des menschlichen Ohres ansehen.

Sehr wichtige für den Ohrendruck spielt die Ohrtrompete (auch eustachische Röhre oder Tuba Auditiva genannt). Diese Röhre verbindet den Nasenrachenraum mit dem Mittelohr. Somit dient die Ohrtrompete vor allem dazu, das Mittelohr zu „belüften“ und zudem den Druck im Mittelohr an den Außendruck (also den Luftdruck im Nasenrachenraum) anzugleichen.

Zudem kann im Bedarfsfall über die Ohrtrompete Sekret aus dem Mittelohr in den Rachen abfließen, sie hat somit auch eine Reinigungsfunktion. Denn nur wenn das Mittelohr Sekret frei und sauber ist und der Druck im Ohr dem Außendruck entspricht, kann das Trommelfell frei schwingen und ein normales Hören ermöglichen.

Ohrenschmalz im Gehörgang verhindert also den Luftdruckausgleich und man sollte vor eine Flug unbedingt die Ohren reinigen. Sobald der Druckausgleich über die Ohrtrompete also nicht mehr ausreicht oder funktioniert, kann es zu dem bekannten Druckgefühl im Ohr kommen.

Die Länge der Ohrtrompete beträgt etwa drei bis vier Zentimeter und sie ist normalerweise geschlossen und öffnet sich kurz, wenn man gähnt, kaut oder schluckt. Auf diese Weise gelangt Luft in die Ohrtrompete und sorgt für Druckausgleich, sollten die Druckverhältnissen ungleich sein. Manchmal hört man dabei ein kleines Knacken oder Ploppen.

Im Schnitt öffnet sich die Ohrtrompete im Alltag ca. einmal pro Minute durch das regelmäßige Schlucken, welches wir praktisch unbewusst ausführen.

Die Membran, die Schwingungen aufnimmt und Schallwellen weiterleitet, wird als Trommelfell bezeichnet. Dieses ist für gewöhnlich nach innen gewölbt. Beim rapiden Steigflug eines Flugzeugs – etwa beim Start – entsteht im Mittelohr ein Überdruck, beim Sinkflug dagegen ein Unterdruck.

Als Folge spannt sich das Trommelfell und wölbt sich nach außen. Dies führt zu dem bekannten Knacken sowie dem vom Flug verursachten Ohrendruck. Allerdings reagieren die Menschen unterschiedlich empfindlich. Bei einigen dauert dieser Zustand nur kurze Zeit an, bei anderen sind die Ohren auch noch nach dem Flug zu. Besonders betroffen sind Menschen mit einem besonders engen Gehörgang.

Bei Druck im Ohr können unterschiedliche Symptome auftreten, z.B.:

  • Schwindelgefühl
  • dumpfe bzw. gedämpfte Hörwahrnehmung
  • eigene Stimme hört sich beim Sprechen „hallend“ oder lauter an
  • Missempfindungen im Ohrbereich
  • Gefühl, als ob etwas im Ohr steckt
  • Ohrenschmerzen

Obwohl, wie bereits gesagt, kein Grund zur Beunruhigung besteht, da die Reaktion völlig normal ist, ist das Gefühl dennoch unangenehm und man möchte es so schnell wie möglich los werden.

Warum ist der Ohrendruck beim Fliegen mal mehr, mal weniger stark?

Vielleicht haben Sie selbst schon festgestellt, dass man nicht auf jedem Flug gleich vom Ohrdruck betroffen ist. Dies liegt normalerweise auf keinen Fall an der Länge des Fluges, es sei denn, es gibt viele Zwischenstopps mit entsprechendem Start und Landung. Hier wird dann da Ohr ständig verschiedenen Luftdrücken ausgesetzt und es kann zu stärkeren Beschwerden kommen.

Ausschlaggebend ist also nicht die Länge, sondern Anzahl der Starts und Landungen, sowie die Lage des Flughafens. Wird beispielsweise auf dem in 4.000 Metern Höhe liegende Airport El Alto der bolivianischen Hauptstadt La Paz gelandet, so ist dies weniger spürbar als der auf Meeresniveau liegende Flughafen der Dominikanischen Republik. Der Grund ist logisch – das Ohr muss eine geringer Luftdruckveränderung ausgleichen.

Die meisten Menschen reagieren übrigens auf den rasch steigenden Luftdruck beim Landeanflug weitaus empfindlicher als auf den fallenden Druck beim Abflug.

Tipps zum Vermeiden von Druck auf den Ohren beim Fliegen

Es gibt ein paar einfache Dinge, die dem lästigem Druck auf den Ohren vorbeugen. Wie bereits oben erklärt, muss sich die Ohrtrompete öffnen, um den Druckausgleich zu erzielen. Dies erfolgt beim Gähnen, Schlucken und Kauen.

Wenn man also eines dieser drei Dinge tut oder abwechselnd alle, kann man den Druckausgleich bewusst herbeiführen. AM besten ist, dass man damit rechtzeitig anfängt, also bevor der Druck auf dem Ohr überhaupt erst entsteht.

Sobald sich also der Flug seinem Ende nähert, sollten man auch die entsprechende Ansage achten, die den Beginn des Landeanflugs ankündigt. Beim Abflug sollt man bereits in der Startposition anfangen, ein Bonbon zu lutschen, bewusst und häufig zu schlucken, etc.

All diese Optionen helfen, dem Druck auf den Ohren beim Fliegen vorzubeugen:

  • Gähnen Sie ab und zu
  • Kauen Sie über eine längere Zeit Kaugummi
  • Lutschen Sie ganz bewusst ein Bonbon
  • Essen sie des Öfteren und zerkauen Sie das essen bewusst
  • Häufiges Trinken hilft ebenfalls durch die Schluckbewegung
  • Schieben Sie Ihren Kiefer langsam hin und her
  • Verwenden Sie spezielle Ohrenstöpsel, die über einen Luftstromfilter den Druckausgleich unterstützen

Zusätzliche Ratschläge

In besonders hartnäckigen Fällen kann man es auch mit der sogenannten Valsalva-Methode versuchen. Hierfür schließt man den Mund und hält die Nase mit Daumen und Zeigefinger zu. Versuchen Sie nun über die geschlossenen Nase auszuatmen. Auf diese Weise entsteht ein Überdruck, der die Eustachische Röhre öffnet. Dies lässt zum Druckausgleich Luft aus dem Mittelohr entweichen.

Wer mit einer Erkältung oder Allergien zu kämpfen hat und unter einer verstopften Nase leidet, sollte ca. 30 Minuten vor Start oder Landung ein Nasenspray, welches die Nasenschleimhäute abschwellen lässt, oder abschwellende Nasentropfen benutzen.

Wer mi Baby oder Kleinkindern unterwegs ist, der sollte im Handgepäck unbedingt einen Schnuller, eine Trinkflasche und etwas Brei mit sich führen und diese Dinge dem Kind bei Start und Landung geben. Die Kleinen werden nämlich dadurch zum Schlucken und Kauen angeregt und es kommt zum nötigen Druckausgleich.

Wer trotz aller Vorkehrungen auch mehrere Tage nach dem Flug stechende Schmerzen in den Ohren und Probleme beim Hören hat, der unbedingt einen HNO Arzt – kurz für Hals Nasen Ohren Arzt – aufsuchen.

Wir hoffen, dass Sie mit unsere Tipps die nächste Flugreise ohne Druck im Ohr überstehen werden und wünschen Ihnen schon hetzt einen guten Flug!

Bei Flugverspätung über 3 Stunden oder Flugannullierung könnte Ihnen ein Ausgleichsanspruch von bis zu 600€ (abzügl. Provision) nach der Verordnung (EG ) Nr. 261/2004 zustehen.

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